Risiken multiresistenter Erreger

mre3Multiresistente Erreger werden erst dann zu einem Problem, wenn sie in den Körper eingedrungen sind und eine Infektion ausgelöst haben. Daher müssen gesunde Menschen mit intaktem Immunsystem den Kontakt mit multiresistenten Erregern normalerweise nicht fürchten. Sie können allerdings, ohne selbst zu erkranken, Überträger der Keime sein. Gefährdet sind abwehrgeschwächte Menschen. Bei ihnen kann eine Infektionskrankheit einen kritischen Verlauf nehmen, insbesondere wenn die meisten der zur Verfügung stehenden Antibiotika keine Wirkung zeigen.

Gefährdete Personengruppen

Die größten Probleme durch multiresistente Erreger treten in Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen auf. Denn in diesen Einrichtungen werden viele Menschen versorgt und betreut, die durch Erkrankungen und therapeutische Eingriffe geschwächt sind und oft einen schlechten Immunstatus aufweisen. Zudem gibt es in Kliniken eine hohe Dichte an Keimen und damit eine besonders große Übertragungs- und Ansteckungsgefahr.

Ein hohes Risiko besteht für frisch operierte Patienten und solche mit akuten Hautverletzungen oder chronischen Wunden, über die die Erreger eindringen können. Dazu zählen z. B. Diabetiker mit diabetischem Fußsyndrom, bettlägerige Patienten mit Wundliegegeschwüren (Dekubiti) oder Patienten mit starken Verbrennungen. Aber auch Katheter oder Versorgungszugänge für Infusionen und Sonden können Eintrittspforten für Keime sein. Darüber hinaus haben alle, deren Immunsystem durch z. B. anhaltende oder wiederkehrende Erkrankungen angegriffen oder durch die Einnahme bestimmter Medikamente (Immunsuppressiva) gedrosselt ist, ein erhöhtes Infektionsrisiko. Gleiches gilt für Personen, die sich dauerhaft oder für sehr lange Zeit in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung aufhalten.

Risikofaktoren für eine Infektion:

  • geschwächtes Immunsystem
  • längere Krankenhausaufenthalte
  • chronische Pflegebedürftigkeit
  • längere und wiederholte Antibiotikaeinnahme
  • Katheter
  • großflächige oder chronische Wunden
  • Diabetes
  • Dialyse
Übertragungs- und Infektionswege

Die Verbreitungs- und Infektionswege von Krankheitserregern sind stark abhängig von ihrer Art und Herkunft. Es gibt Infektionen, die durch Keime ausgelöst werden, die der körpereigenen Flora entstammen. So können z. B. Haut- oder Darmbakterien in Wunden eindringen und Infektionen verursachen.

Andere Infektionen entstehen durch Erreger, die von einem Außenstehenden oder aus der Umgebung kommen und entweder direkt oder indirekt übertragen werden. Der direkteste Weg ist die Kontaktinfektion. Bei manchen Erregern reicht es aus, einen Menschen zu berühren, dessen Haut mit dem Erreger besiedelt ist. Quasi von Hand zu Hand können sich so die Keime schnell verbreiten. Die Tröpfcheninfektion ist ebenfalls ein schneller und direkter Übertragungsweg. Hier haben sich die Erreger den feinen Tröpfchen angeheftet, die beim Sprechen, Niesen oder Husten freigesetzt werden. Kontaktpersonen können sich infizieren, wenn die Erreger anschließend über die Atemwege in ihren Körper gelangen. Eine indirekte Übertragung, oft auch als Schmierinfektion bezeichnet, erfolgt durch den Kontakt mit Gegenständen oder Oberflächen, die mit Erregern belastet sind. Das können z. B. Türklinken, Handläufe und -griffe oder infektiöser Speichel an Trinkgläsern sein.

Das Tückische an diesen Infektionen: Viele Menschen sind „stille“ Überträger. Das bedeutet, sie sind Keimträger, ohne selbst zu erkranken, so dass ihnen gar nicht bewusst ist, dass sie andere infizieren können.
Broschüre zum Thema
mre kl

Die Deutsche Seniorenliga hat in Kooperation mit den Landesseni-orenvertretungen eine Informations-broschüre zum Thema "Multire-sistente Erreger" herausgegeben, um über die Gesundheitsrisiken dieser Keime aufzuklären.

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Krankenhausinfektionen

Infektionen insbesondere mit multiresistenten Keimen gehören zu den gefürchteten Komplikationen in Krankenhäusern. In der Fachsprache werden Krankenhausinfektionen als nosokomiale Infektionen bezeichnet.

handzuhand
Von Hand zu Hand

In medizinischen Einrichtungen erfolgt die Verbreitung multiresistenter Erreger meist direkt über die Hände oder indirekt über Gegenstände und Oberflächen.