Wege der Infektion

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Die Übertragungs- und Infektionswege von Krankheitserregern sind stark abhängig von ihrer Art und Herkunft. Auch körper­eigene Keime können eine Infektion auslösen, z. B. wenn sie über kleine Wunden in den Körper eindringen oder wenn sie sich übermäßig stark ausbreiten. So sind beispielsweise Darmbakterien die häufigsten Auslöser für eine Harnwegsinfektion. Meistens erfolgt die Infektion jedoch durch Erreger, die von außen kommen. Das kann auf direktem Wege per Kontakt- oder Tröpfcheninfektion passieren oder auch über den Kontakt mit Gegenständen oder Oberflächen. Dies bezeichnet man dann als Schmierinfektion oder indirekte Kontaktinfektion.

Verbreitung der Erreger und Übertragungswege:

  • Kontaktinfektion: Bei manchen Erregerarten reicht es aus, einen Menschen zu berühren, dessen Haut mit dem Erreger besiedelt ist. Die Keime verbreiten sich quasi von Hand zu Hand. Etwa 80 % aller Infektionserkrankungen werden über die Hände übertragen.
  • Tröpfcheninfektion: Die Krankheitserreger heften sich den feinen Tröpfchen an, die beim Sprechen, Niesen oder Husten freigesetzt werden. Andere Menschen können sich infizieren, wenn die Erreger anschließend über die Atemwege in ihren Körper gelangen.
  • Schmierinfektion: Die Übertragung erfolgt durch den Kontakt mit Gegenständen oder Oberflächen, die mit Erregern belastet sind. Dies können z. B. Türklinken, Handläufe und -griffe oder gemeinsam genutzte Trinkgläser sein.

Je mehr Menschen und damit potenzielle Keimträger zusammentreffen, umso höher ist die Gefahr, dass sich resistente Bakterien verbreiten und sich abwehrgeschwächte Personen anstecken. Große Probleme mit resistenten Erregern treten daher in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und bei der Betreuung von alten Menschen auf.

Infektionsrisiko im Krankenhaus

In Krankenhäusern gibt es eine hohe Dichte an unterschiedlichen Keimen und auch viele resistente Keime. Das liegt u. a. daran, dass überall dort, wo vermehrt Antibiotika eingesetzt werden, Bakterien leichter eine Resistenz entwickeln. Außerdem kommen im Krankenhaus viele Menschen, gesunde wie kranke, zusammen. Darunter auch einige Überträger. Sie alle tragen zur Verbreitung von Keimen bei.

Frisch operierte Patienten sind besonders gefährdet, sich mit den gefürchteten Krankenhauskeimen zu infizieren. Noch offene Wunden sowie Katheter und Schläuche, die durch die Haut eingeführt werden, sind ideale Eintrittspforten für Erreger. Gleiches gilt für Patienten mit chronischen Wunden, dazu zählen z. B. Diabetiker mit diabetischem Fußsyndrom oder bettlägerige Patienten mit Wundliegegeschwüren (Dekubitus). Bestimmte Erkrankungen, z. B. Aids oder Morbus Crohn, sowie die Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen, erhöhen ebenfalls das Infektionsrisiko.

Infektionsrisiko in Pflegeeinrichtungen und über ambulante Pflegedienste

Die Ausgangssituation ist in Pflegeeinrichtungen ähnlich der in Krankenhäusern. Auch hier ist mit einer hohen Dichte an Keimen zu rechnen, die durch viele verschiedene Kontaktpersonen verbreitet werden können. Das Infektionsrisiko hängt stark von der Art der Einrichtung und dem Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen ab. Solange es bei den pflegerischen Maßnahmen hauptsächlich um die Versorgung und soziale Betreuung geht, wie z. B. in vielen Pflegeeinrichtungen und bei kognitiv eingeschränkten Patienten, ist das Erkrankungsrisiko der Pflegebedürftigen weniger hoch. Das Risiko steigt, sobald eine weitergehende Pflege notwendig ist, z. B. bei Pflegebedürftigen mit Wunden bzw. Hautdefekten und wenn Sonden und Katheter eingesetzt werden. Mögliche chronische Erkrankungen und ein hohes Lebensalter erhöhen zusätzlich die Anfälligkeit für eine Infektion.

Rettungsdienste und Krankentransporte

Bei medizinischen Notfällen aller Art sind Rettungsdienste im Einsatz, die nach der Erstversorgung vor Ort ggf. den Krankentransport in ein Krankenhaus übernehmen. Jeder der Notfallpatienten kann mit Infektionserregern besiedelt sein, die durch Kontakt- oder Schmierinfektion verbreitet werden. Auf diese Weise können die Rettungskräfte zu Überträgern für die nächsten Notfallpatienten werden. Keimbelastete Oberflächen im Transportfahrzeug sind ebenfalls eine mögliche Infektionsquelle.

Besuchs- und Hilfsdienste

Die Entwicklung einer solchen Resistenz folgt den Mechanismen der Evolutionsbiologie. Das bedeutet, Organismen, die sich am besten den äußeren Bedingungen anpassen können, sind am überlebenstüchtigsten und vermehren sich am stärksten. Das gilt auch für Bakterien. Mitunter kommt es vor, dass vereinzelte Bakterien durch zufällige Veränderungen in ihrem Erbgut weniger empfindlich auf das gegen sie angewandte Antibiotikum reagieren. Sie überleben die Therapie, vermehren sich und geben ihre Unempfindlichkeit an die nächste Bakteriengeneration weiter. Durch den vermehrten Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier in den letzten Jahren sowie durch fehlerhafte Anwendung von Antibiotika durch die Patienten (insbesondere zu kurze Einnahmedauer) haben sich einige Bakterien so verändert, dass sie gegen fast alle der gängigen Antibiotika resistent geworden sind: Sie sind multiresistent.

Angehörige

Ob im Krankenhaus, in Pflegeeinrichtungen oder zu Hause – jeder, der regelmäßig Besuch von Angehörigen und Freunden bekommt und auf ihre tatkräftige Hilfe bauen kann, wird sich glücklich schätzen. Auch diese Menschen sind potenzielle Träger von Krankheitskeimen. Das Risiko einer Übertragung ist noch mal höher, da sich vertraute Personen meist körperlich näherkommen. Man reicht dem kranken und pflegebedürftigen Angehörigen zur Begrüßung nicht nur die Hand, sondern nimmt ihn in den Arm und hält u. U. über längere Zeit seine Hand.

Mögliche Keimträger in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen:

  • Patienten
  • Ärzte
  • Pflegepersonal
  • Besucher
  • soziale Dienste
  • Reinigungskräfte
  • sonstige Mitarbeiter sowie ggf. weitere Arbeitskräfte, z. B. Handwerker, Techniker
Broschüren zum Thema
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Die Deutsche Seniorenliga hat zum Thema Multiresistente Erreger zwei Broschüren herausgegeben. Die Broschüren informieren über Hintergründe, klären über Risiken resistenter Erreger auf und zeigen Maßnahmen auf, um eine Ansteckung und Weiterverbreitung der Keime zu verhindern.

Broschüre Antibiotikaresistenzen

Die aktuelle Broschüre „Hygiene in der Pflege“ legt den Focus auf Infektionsvorsorge und -schutz in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen bei der häuslichen Pflege.

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Infektionsrisiko

Bei allen invasiven Eingriffen, z. B. beim Setzen von Infusionen, Blutabnehmen oder bei der Wundversorgung, gelten für Ärzte und Pflegekräfte besonders strikte Hygienevorschriften.

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Von Hand zu Hand

Jeder Mensch kann ein Überträger von Krankheitserregern sein. Für einen abwehrgeschwächten Menschen kann daher jede seiner Kontaktpersonen zur Infektionsquelle werden.